Optimierung des Studienerfolgs - Das Projekt Qualitätspakt Lehre stellt sich vor

Mit dem 2010 ausgeschriebenen Bund-Länder-Programm für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre („Qualitätspakt Lehre“) sollen bessere Studienbedingungen an den deutschen Hochschulen geschaffen werden. In der Antragsrunde 2011 ist der Förderantrag der htw saar unter dem Titel „Optimierung des Studienerfolges“ erfolgreich gewesen, so dass sie seit April 2012 als eine von 186 Hochschulen in Deutschland gefördert wird. Mit den beantragten 6,2 Millionen Euro wurden - zunächst für 4,5 Jahre - 29 Stellen (24,5 Vollzeitäquivalente) an der Hochschule geschaffen, die sich in zentrale und dezentrale Stellen unterteilen. 

Die zentralen Stellen konzipieren hochschulweite, d.h. fakultätsübergreifende Unterstützungs- und Qualitätssicherungsmaßnahmen und setzen diese operativ um. Diese neun Mitarbeiter(innen) sind dem Prorektor für Studium und Lehre, Prof. Dr. Enrico Lieblang, zugeordnet, der auch gleichzeitig Projektleiter ist. Die dezentralen Stellen arbeiten in den jeweiligen Fakultäten direkt einer Professur zu.

Webseite

Doch wie sehen die bisher durchgeführten Maßnahmen im Einzelnen aus und wie genau muss man sich deren Umsetzung durch die Projektmitarbeiter(innen) vorstellen? Welchen Mehrwert hat das Projekt also konkret für unsere Hochschule? Diese und viele weitere Fragen möchten wir in unserem Newsletter beantworten. Zur Halbzeit der ersten Programmphase stellen wir Ihnen darum in den kommenden Ausgaben die einzelnen Mitarbeiter(innen) der zentralen Stellen des Projekts „Optimierung des Studienerfolges“ vor und lassen sie von ihren Arbeitsbereichen erzählen. In dieser Ausgabe beginnen wir mit dem Gesamtprojektkoordinator Dr. Markus Ehses.

Projektbereich: Projektkoordination / Qualitätsmanagement

Zur Person: Der Chemiker Dr. Markus Ehses ist seit Juni 2012 als Gesamtprojektkoordinator des Qualitätspakt Lehre-Projekts an der htw saar tätig. Er koordiniert das Projektteam, begleitet, dokumentiert und evaluiert die Projektaktivitäten, steuert die Projektumsetzung und das Projektbudget und initiiert, entwickelt und begleitet kreative, hochschulweite Konzepte zur nachhaltigen Optimierung des Studienerfolgs.

Nach seiner Promotion an der Technischen Universität Kaiserslautern und einem einjährigen Post-Doc Aufenthalt in Italien arbeitete er für knapp zwei Jahre am Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM) auf dem Campus der Universität des Saarlandes (UdS) als Forschungsgruppenleiter. In den darauffolgenden Jahren war er an der UdS im Bereich Forschung und Lehre am Lehrstuhl für Anorganische und Allgemeine Chemie tätig, wo er zunehmend administrative Aufgaben übernahm. Hier koordinierte er z.B. ein internationales Graduiertenkolleg in der Großregion. Anschließend arbeitete er zwei Jahre lang als wissenschaftlicher Referent am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), bis er 2012 an der htw saar seine jetzige Tätigkeit aufnahm.

Interview:

- Die verschiedenen Bereiche des Projekts und die dahinter stehenden Mitarbeiter(innen) werden wir ja in den kommenden Monaten im Einzelnen vorstellen. Wie bringen die Projektteilnehmer(innen) ihre Ideen ein? Wird alles in einen Topf geworfen und du entscheidest dann, was davon realisiert wird?

Ehses: Das Projekt verfolgt unter dem übergeordneten Ziel der Senkung der Zahl der Studienabbrecher 3 Teilziele, nämlich die Verbesserung der Betreuungssituation insbesondere in der Studieneingangsphase, die Einrichtung individualisierter Studienangebote sowie die Stärkung der Praxisorientierung. Im Förderantrag wurden innerhalb dieser Teilziele die Tätigkeitsfelder für einzelne Projektstellen definiert. Da es sich um ein sehr umfangreiches Projekt mit vielen Einzelmaßnahmen und entsprechend vielen Mitarbeiter(inne)n handelt, wurde beim Antrag gleich eine Koordinationsstelle mit eingeplant, damit die Beobachtung und Steuerung der Projektaktivitäten möglichst wenig Ressourcen der Hochschule bindet. Die 29 Mitarbeiter(innen) stellen immerhin einen Aufwuchs von ca. 7% auf die Gesamtmitarbeiterzahl der htw saar dar. Als Koordinator arbeite ich mit dem Projektleiter sicherlich auch an der strategischen Weiterentwicklung des Projektes. Die Ideen zu den einzelnen Maßnahmen werden allerdings von den Mitarbeiter(innen) selbst in Absprache mit dem Vorgesetzten entwickelt. Zur Begleitung der Umsetzung halte ich die Projektmitarbeiter(innen) untereinander in Kontakt und verschaffe mir regelmäßig einen Überblick über aktuell laufende Aktivitäten - bei uns im Projekt und auch hochschulweit. So kann ich punktuell Prozesse anstoßen wenn ich eine Optimierungsmöglichkeit erkenne und wir im Projekt entsprechende Expertise und Ressourcen hierfür haben. Die Anregungen werden mit den zuständigen Mitarbeiter(innen) diskutiert und nach deren Abwägung bei der Weiterentwicklung der Maßnahmen berücksichtigt.

- Stehen die Entscheidungen innerhalb der Teilprojekte auch in Abhängigkeit zum Budget?

Ehses: Für unser Projekt sind für 4,5 Jahren ca. 6,2 Millionen Euro bewilligt, das sind also 1,3 Millionen pro Jahr. Davon entfallen jährlich nur ca. 20.000 Euro auf Sachmittel wie Literatur und Dienstreisen, der Rest sind reine Personalmittel. Die personalintensiven Tätigkeiten sind also durch die bewilligten Gelder abgedeckt. Für wenige Maßnahmen, wie bei den Weiterbildungsprogrammen, werden weitere Gelder benötigt, die wir z.B. aus den zentralen Kompensationsmitteln beantragen. Wir können Themen bearbeiten, für die Hochschulmitarbeiter(innen) vor dem Start unseres Projekts schlicht keine Zeit hatten und darüber hinaus neue Impulse setzen. Das sind deutliche Pluspunkte für die htw saar.

- Jeder von euch hat sein eigenes Aufgabengebiet und leitet größtenteils autonom Maßnahmen ein. Wie behältst du da den Überblick?

Ehses: Durch die regelmäßigen Treffen der hochschulweiten Stellen und die Workshops, die wir jedes Semester für alle Mitarbeiter(innen) zur Qualitätssicherung anbieten, erhalten wir einen Gesamteindruck aller Aktivitäten. In diesen Treffen werden Gedanken und Konzeptideen ausgetauscht. Der informelle Informationsfluss stellt dabei eine wichtige Komponente zur Innovation dar, weshalb ich den Austausch durch geeignete Veranstaltungsformate anrege. Außerdem führe ich jährlich in den Fakultäten leitfadengestützte Interviews mit den Teilprojektleiter(inne)n, also den Professor(inn)en, und den Projektmitarbeiter(inne)n durch. Zu Anfang war es mir z.B. wichtig, dass ich die Professor(inn)en näher kennen lerne, ein weiterer Schwerpunkt war die Zufriedenheit der Mitarbeiter(innen).

Dabei werden elementare Fragen geklärt: Wie läuft das Teilprojekt? Mussten Anpassungen gegenüber der ursprünglichen Planung durchgeführt werden? Was kann optimiert werden? Dieses Jahr konnten wir in den Interviews rückblickend zusammenfassen welche Erfahrungen gemacht wurden. Daraus resultierend wird nun geschaut, was wir in der nächsten Phase besser machen oder neu entwickeln können.

- Also ist auch viel Bauchgefühl bei den Entscheidungen wichtig?

Ehses: Wir müssen qualitativ und möglichst auch quantitativ begründen, wie wir unser Projekt zielführend und erfolgreich durchführen. Diejenigen, die den Antrag für dieses Projekt konzipiert und gestellt haben, hatten konkrete, überwiegend aus qualitativen Beobachtungen heraus abgeleitete Desiderate identifiziert, die in konkrete Aufgaben münden, an welcher Stelle was genau getan werden müsste - und genau das tun wir jetzt, indem wir diese Stellen adäquat mit Mitarbeiter(inne)n besetzen und die Umsetzung verfolgen.

Zudem sollen wir Nachhaltigkeit erzeugen. Bei einigen unserer Teilprojekte kann dies vielleicht funktionieren - da entwickeln wir z.B. E-Learning-Programme, die die Hochschule auch über 2016 hinaus noch weiter nutzen kann. Wir haben auch ein Qualitätsmanagementsystem für die Lehre entwickelt, das nun im wesentlichen fertig gestellt ist und so weiterhin zur Verfügung stehen wird. Aber selbst hier ist ständige Optimierung und Operationalisierung erforderlich. Die Mitarbeiter(innen), die diese Konzepte und Maßnahmen entwickelt haben, sind deshalb auch dann noch gefordert, wenn diese Maßnahmen bereits in Kraft getreten sind. Es wäre ein Trugschluss zu sagen, die abgeschlossenen Projekte trügen sich selbst und die daran beteiligten Mitarbeiter(innen) könnten dann abgezogen werden.

Andere Maßnahmen brauchen ständige Betreuung wie die Durchführungen von Lehrveranstaltungen oder Schulungsprogrammen. Hier ist es nur schwer vorstellbar, wie diese Aktivitäten ohne diese Personen überhaupt weitergeführt werden können.

- Kann man die Qualitätssicherung in Zahlen zusammenfassen?

Ehses: Das Programm „Qualitätspakt Lehre“ hat zwei Phasen: Die Erste läuft bis Ende 2016 - da sind wir jetzt in etwa in der Halbzeit. Mit unseren Aktivitäten haben wir z.B. im WiSe 2013/14 kumuliert 3300 Studierende erreicht. Wir werten zurzeit die ersten beiden Umfragen unter allen Studierenden zur Studienzufriedenheit vergleichend aus und werden pauschal die Durchfall- bzw. Übergangsquoten in der Studieneingangsphase analysieren.

Die zweite Phase geht voraussichtlich von 2017 bis Ende 2020. Das ist die Perspektive. Für die zweite Phase wird die Hochschule einen Folgeantrag stellen sobald die Ausschreibung heraus ist, und darin aufzeigen, in welchen Bereichen das Projekt gut gelaufen ist und wie wir uns eine Verbesserung in anderen Bereichen vorstellen. Das übergeordnete Ziel laut Antrag ist die Senkung der Studienabbruchquote. Da diese Zahl erst nach einigen Jahren - und dann nicht mal exakt - bestimmbar ist, müssen wir uns andere Indikatoren überlegen, an denen sich die Qualitätssteigerung ablesen lässt.

Das ist durchaus herausfordernd. Da die Maßnahmen sehr unterschiedliche Tätigkeitsprofile aufweisen, muss letztendlich für jede Maßnahme individuell ein Set an Indikatoren definiert werden. Dabei werden wir in der nächsten Zeit verstärkt arbeiten und auch von Projektleitung und  Qualitätsmanagement unterstützen.

- Gibt es auch einen Erfahrungsaustausch mit anderen Hochschulen?

Ehses: Auf jeden Fall. Wir sind bestrebt, Konzepte und Erfahrungen anderer Hochschulen kennen zu lernen und vielversprechende Ansätze in die Projektarbeit einfließen zu lassen. Dies geschieht über Tagungen und Workshops bundesweit, aber auch regional. Mit der Hochschule Kaiserslautern haben wir bereits einen strukturierten Erfahrungsaustausch durchgeführt. Eine Kooperation zwischen Qualitätspakt Lehre-Projekten ist eine weitere Option, die derzeit ausgelotet wird.

- Ihr sollt laut Projektvorgabe Initiativen zur Verbesserung der Studienbedingungen fördern. Ihr greift also auch auf bestehende Projekte zurück und baut diese aus?

Ehses: Als wir an der Hochschule neu angefangen haben, sind uns zunächst sehr viele Individualinitiaven in den Fakultäten und zentral begegnet. Wir wurden offen aufgenommen und herzlich willkommen geheißen. Heute sind wir stark verzahnt mit der Hochschule und können so auch schnell Initiativen aus der Hochschule aufgreifen und unterstützen.

Normalerweise sind Projekte auf ein bis drei Jahre begrenzt. In unserem Fall haben wir die große Chance, in 4,5 Jahren Konzepte zu entwickeln, die ganz konkret den vorherrschenden Bedürfnissen angepasst sind. Und anschließend bleibt uns noch Zeit, die Umsetzung der Konzepte zu beobachten und im Nachgang Korrekturen vorzunehmen.

Wir verstehen uns als Dienstleister und begleiten in diesem Sinnen hochschulweit zurzeit drei Initiativen: Die Schulung zum „Selbstorganisierten Lernen nach Dr. Herold“ (SOL), das sogenannte „VDMA-Maschinenhaus“ und die Mitgliedschaft im Verein „Verantwortungspartner Saarland e.V.“.

Die SOL-Schulung (http://www.htwsaar.de/service/Hochschulkommunikation/htw-saar-newsletter/2014/september/sol-tag-2014) setzt bei der Heterogenität insbesondere des Vorwissens und der Wissensverarbeitung der Lernenden an und gibt individuelle Orientierungshilfen. Bisher haben knapp 40 Dozierende und lehrunterstützende Mitarbeiter(innen) an den Schulungen teilgenommen. Die Schulung entwickelt sich zu einem festen Bestandteil der hochschuldidaktischen Weiterbildung.

Das Maschinenhaus ist ein extern finanziertes Projekt im Sinne eines Audits, das die Studienabbrecher(innen)zahlen im Bachelor-Studiengang Maschinenbau und Prozesstechnik senken soll, um so dem Ingenieurmangel entgegenzuwirken. Als in diesem Kontext ein Mentoring-Programm entwickelt werden sollte, konnte unsere Koordinatorin für das Mentoring-Programm ihre Expertise mit einbringen. Das angewendete Audit-Verfahren und auch das dozierendengestützte Mentoring als identifizierte Maßnahme verstehen wir als Piloten, die wir weiterentwickeln und die Anwendung auf andere Studiengänge anstreben.

Im Rahmen der Stärkung der Unternehmenskontakte sind wir auf den Verein „Verantwortungspartner Saarland e.V.“ aufmerksam geworden, der auf die Förderung von unternehmerischem Bildungsengagement insbesondere mit Schüler(inne)n fokussiert. Die htw saar kann durch ihre Mitgliedschaft auf das Netzwerk von Bildungsinteressierten zugreifen, ihre didaktische und evaluatorische Expertise einbringen, und dies alles, um gemeinsam mit Unternehmen der Region junge Talente verstärkt neugierig auf wissenschaftliche Fragestellungen zu machen und letztendlich für die Aufnahmen eines Studiums zu begeistern. Nicht zu unterschätzen sind die positiven Effekte der Vernetzung der Akteurinnen und Akteure am kritischen Übergang Schule-Hochschule auch innerhalb der Hochschule.

Solche Highlights sind ohne das Projekt „Optimierung des Studienerfolgs“ nur schwer vorstellbar.

Für mich stellt ein Haupteffekt des Projektes die Steigerung des Stellenwerts der Lehre an der htw saar dar. Durch dieses Projekt wird die Lehre stärker in den hochschulinternen, aber auch -externen, Fokus gerückt. Wenn es uns mit dem Projekt gelingt, einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung einer der Kernkompetenzen der Hochschule, nämlich praxisorientierte, auf den Lernenden konzentrierte und kompetenzorientierte, kurz moderner Lehre, beizutragen, hat sich der Einsatz schon gelohnt. Profitieren werden engagierte Dozierende, Studierende und die zukünftigen Arbeitgeber und somit der gesamte Hochschulstandort.

Zusätzliche Informationen im Intranet

 

Das Projekt „Optimierung des Studienerfolgs“ präsentiert sich mit neuer Webseite

Im Qualitätspakt Lehre-Projekt „Optimierung des Studienerfolgs“ arbeiten seit April 2012 29 Mitarbeiter(innen) zentral und dezentral in allen Fakultäten der htw saar an der Verbesserung der Studienbedingungen.

Aber was sind die Ziele des Projekts, mit welchen Maßnahmen sollen diese erreicht werden? Wer sind die Köpfe hinter diesen Maßnahmen, wie unterstützen sie konkret in der Lehre? Welche Aktivitäten wurden und werden aktuell von den Projektmitarbeiter(innen) initiiert, begleitet und umgesetzt?

Hierüber gibt die neue Webseite des Projekts Auskunft. Jetzt kann sich jede(r) umfassend über die Projektstruktur, -Mitarbeiter(innen) und -Aktivitäten informieren und findet leicht Ansprechpartner(innen) für Ideen und Anregungen zur steten Verbesserung der Studienbedingungen.

Die Projektmitarbeiter(innen) freuen sich auf den engagierten Austausch!

www.htwsaar.de/ql


Eingereicht von:

Mike Herrmann, M.A.

htw saar
Haus des Wissens
Gebäude 11
Malstatter Straße 17
66117 Saarbrücken
Personalentwicklung Forschung
Raum 11.02.04
t +49 (0) 681 58 67 - 143

Dr. rer. nat. Markus Ehses

htw saar
Goebenstraße 40
66117 Saarbrücken
Gesamtprojektkoordinator "Optimierung des Studienerfolgs"; Koordinator Vorbereitungsstudium
Raum 8126
t +49 (0)681 5867-762
f +49 (0)681 5867-122