10 Thesen - Leben und Arbeiten in der Zukunft

Digitalisierung , Demografie, Globalisierung - längst sind die großen Treiber des Wandels ausgemacht. Doch wie sieht die Arbeit der Zukunft aus? Wie werden wir leben? Hier haben wir 10 Thesen aus Expertenbefragungen* aufgelistet.

01

Auflösung der Organisation

Die neue Arbeitswelt löst geschlossene Unternehmensstrukturen auf. Die Organisationen teilen standardisierte Back-End-Prozesse untereinander auf, ohne dass diese Prozesse für Kunden oder Mitarbeiter sichtbar sind. Dadurch entstehen Arbeitsplätze ohne eindeutige organisationale Zugehörigkeit und Produkte ohne eindeutige Absender.

02

Abbau traditioneller Orts- und Zeitstrukturen für Arbeitnehmer

Neue Technologien, Internet und IT-Infrastrukturen erlauben, verschiedene berufliche und familiäre Bereiche untereinander zu verknüpfen und den Tagesablauf flexibler zu gestalten. Mit dem individuellen Gestaltungspotential verschwimmen die Grenzen von Arbeit und Freizeit und fordern den Arbeitnehmer heraus, eine neue Balance im „always on“ zu finden.

03

Nicht-lineares, kreatives Denken als menschliche Domäne

Maschinen übernehmen immer mehr Aufgaben. Dennoch gilt: die Automatisierung von Arbeit ist endlich. Ob Helfer-, Fachkraft-, Spezialisten- oder Expertenberufe: sie alle weisen unterschiedliche Substituierbarkeitspotentiale auf. Doch gilt weiterhin die Prämisse: es werden Tätigkeiten ersetzt, nicht ganze Berufsstände. Wahrnehmung und Beherrschung von Maschinen, kreative Intelligenz und soziale Intelligenz bleiben als schwer substituierbare Fähigkeiten menschliche Domäne und bestimmen bestehende sowie neue Berufssegmente.

04

Arbeitsauftrag statt Festanstellung

Unternehmen greifen für spezifische Dienstleistungen immer weniger auf die eigene Belegschaft zurück. In der vernetzten Welt führt die globale Transparenz von Qualifikationen und Verfügbarkeiten von Spezialisten zu einem „hiring on demand“. Das Arbeitsverhältnis wandelt sich zum Arbeitseinsatz.

05

Stärkung personenbezogener Dienstleistungen

Tätigkeiten mit unmittelbarer menschlicher Interaktion, vor allem soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe, werden angesichts des demografischen Wandels eine immer größere Rolle spielen. Sie wachsen prozentual an und erfahren in Hochlohnländern eine deutliche Aufwertung.

06

Agieren in Zukunft und Gegenwart: Eplore neben Exploit

Das zunehmende Innovationstempo zwingt Unternehmen dazu, zukunftsträchtige Geschäftsfelder neu zu besetzen und bestehende Geschäftsmodelle zu transformieren (Explore-Strategie). Gleichzeitig muss das bestehende, noch profitable Geschäft steigende Effizienz- und Produktivitäts-Kennzahlen realisieren (Exploit-Strategie). Ambidextrie, eine Kombination aus Explore-und-Exploit-Strategie, wird zur „beidhändigen“ Managementaufgabe, um die langfristige Überlebensfähigkeit der Unternehmen zu sichern.

07

Mehr Aufmerksamkeit für soziale Innovationen

Soziale Innovationen verändern die Art und Weise, wie wir zusammenleben (alternative Lebensgemeinschaften), arbeiten (Crowd Working), konsumieren (Switching Economy), Wohlstand umverteilen (bedingungsloses Grundeinkommen) oder Krisen meistern (Minderbeschäftigung statt Erwerbslosigkeit). Mit dem Übergang von der Industrie- zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft vollzieht sich ein Paradigmenwechsel: Soziale Innovationen nehmen neben den technologischen Innovationen eine Schlüsselrolle in der Adressierung gesellschaftlicher Bedürfnisse ein und gelten als gewichtiger Wachstumsmotor.

08

Selbstoptimierung und Selbstmanagement als Kernqualifikation des Menschen

Der Arbeitstag besteht aus Mikro-Arbeitszeiten, die der Arbeitnehmer nach eigenen Bedürfnissen und Kompetenzen zusammenstellt. Flexibilität, Belastbarkeit und Leistungsbereitschaft werden zu Variablen einer ständigen Selbstoptimierung. Die steigenden Anforderungen an Berufstätige erfordern einen ethisch-moralischen Diskurs und die anhaltende Korrektur negativer Effekte (z. B. gesundheitliche Probleme, Suchtgefahr).

09

In der globalen Wirtschaft wächst die Bedeutung der Region

2050 werden etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung in urbanen Regionen, Städten und megaurbanen Korridoren siedeln. Entgegen bisheriger Annahmen zeigt sich, dass durch die Verdichtung von Menschen, Informationen und Finanzflüssen Innovationen entstehen. Das Vergleichen, Lernen, Kopieren und Querdenken von Ideen innerhalb der Wissensmilieus bringt „creative classes“ hervor. Regionen werden zu Innovationslaboratorien der Weltwirtschaft, die ihr Potential durch Austausch innerhalb der Classes und in globalen Netzwerken entfalten.

10

Tauschen und Selbermachen als Gegengewicht zur Globalisierung

Tauschen und Selbermachen erfahren eine hohe Dynamik. Treiber dieser wiederentdeckten Wertschöpfungen ist nicht nur Armut. Die Menschen fühlen sich von der Flut neuer Produkte überfordert, reduzieren Neuanschaffungen, nutzen Selbermachen und Tausch als Zeichen eines verantwortungsvollen und nachhaltigen Konsums. Unterstützt wird die Bewegung des Selbermachens durch Innovationen wie z. B. den 3-D-Druck, kollaborative Arbeitsstätten, Open-Source-Software u.v.m.

* "Arbeit 4.0: Megatrends digitaler Arbeit der Zukunft", Shareground, Universität St. Gallen; August 2015.

"Gesellschaftliche Veränderungen 2030", Foresight-Prozess (Zyklus II), VDI Technologiezentrum GmbH, Fraunhofer-Institut für System und Innovationsforschung ISI; Mai 2015.

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