Auf gute Zusammenarbeit!

Interview zur Wertschöpfung in einer internationalen Forschungskooperation


Prof. Löffler-Mang bei einer zweitätigen Wanderung mit Mitarbeitern der inNET Monitoring AG auf dem Aletschgletscher, Schweiz


Herr Löffler-Mang, lässt sich Ihre strategische Zusammenarbeit mit der inNet Monitoring AG auf die kurze Formel „Mehr Innovation durch Kooperation“ herunterbrechen?

Martin Löffler-Mang: Auf jeden Fall! Beide Kooperationspartner leisten einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung und Bearbeitung der gemeinsamen Forschungsprojekte. Dabei spielt weniger eine Rolle, auf welcher Seite die Produktidee entstanden ist. Die Wertschöpfung entsteht, weil sich die Stärken beider Partner optimal ergänzen, weil wir innerhalb eines stabilen Organisationsrahmens unsere Kompetenzen einbringen können, Lern- und Austauschprozesse gestalten, gemeinsame Hemmnisse bewältigen und Risiken teilen.

Wie ist Ihre Kooperation entstanden? Ist der Beginn Ihrer Zusammenarbeit als Erfolgsrezept übertragbar?

Martin Löffler-Mang: [lacht] Übertragen lässt sich der Beginn unserer Zusammenarbeit nicht so ohne weiteres. Ich war mit der Familie im Urlaub, Skifahren in Grindelwald, wir saßen beim Mittagessen auf einer Hütten-Terrasse und kamen mit den Tischnachbarn ins Gespräch. Dass das Gespräch übers Wetter, Gott und die Welt der Beginn einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit sein sollte, war zu dem Zeitpunkt für keinen der Beteiligten absehbar. Erst nach dem Austausch der Visitenkarten und ersten Gesprächen wurde klar, dass wir dem Aufsichtsratspräsidenten der inNet Monitoring AG gegenübersaßen, der sich zu jener Zeit just mit der strategischen Weiterentwicklung der inNet befasste. Später brauchte es kaum einen Tag, um im Besuchstermin beidseitig festzustellen, dass die bisherigen Forschungsthemen des Labors und die Suche nach neuen, innovativen Geschäftsfeldern der inNet in geradezu verblüffender Weise aufeinander abgestimmt sind.

Sie erwähnten eben, dass sich beide Partner optimal ergänzen. Wie sieht das konkret aus?

Martin Löffler-Mang: Nehmen wir HaSe als Beispiel. Ich bin in erster Linie Wissenschaftler. Ich hatte die Idee einen neuartigen, im Grunde recht simplen Hagelsensor zu entwickeln. Nach ersten Voruntersuchungen, der Einrichtung entsprechender Fertigungsmöglichkeiten und vielen rekursiven Lernprozessen entsteht ein möglicher Prototyp. Dieser Prototyp ist in der Entstehungsphase noch sehr weit von einer Marktreife entfernt. Diese Kenntnisse bringen die Kollegen der inNet AG ein. Die inNet AG ist die Produktschmiede, ich eher die Ideenschmiede.

Haben Sie nie in Erwägung gezogen, an der Stelle einfach weiter zu machen und das Produkt selber zur Marktreife zu führen?

Martin Löffler-Mang: Nein, niemals. Das könnte ich nicht und dazu habe ich auch gar keine Lust. Hier braucht es die Kenntnisse und die Sorgfalt eines Unternehmers. Die Kollegen der inNet AG kennen den Markt, wissen sehr gut, ob es überhaupt Bedarf für einen neuen Hagelsensor gibt und haben sehr viele Ressourcen in den Prototypen gesteckt, bis daraus ein Produkt wurde, das auf dem Markt gehen kann. Dann sprechen wir immer noch von kleinen Stückzahlen und weiteren Jahren, in denen der Hagelsensor weiter entwickelt wird.

Erzählen Sie mehr von der Testphase. Was passiert da?

Martin Löffler-Mang: Ich erinnere mich gut daran, dass HaSe unter realen Bedingungen eine ganze Reihe von Schwächen aufzeigte. Wir haben die Produktbeschaffenheit, das Material immer wieder optimiert. Denn so ein Sensor muss ja allen möglichen Witterungseinflüssen trotzen. Dann ging es darum, den Datentransfer zu organisieren. Auch das brauchte seine Zeit. Mit den ersten Messdaten, die erste Rückschlüsse erlauben, kamen eine Menge Rückschläge. Das muss man wissen, akzeptieren und stetig daran arbeiten. Es gilt, das Produkt robust zu machen.


 HaSe-MLM

Bild: HaSe - Hagelsensor mit Untergestell, inNET Monitoring AG, Schweiz


Was waren das für Rückschläge?

Wir mussten zum Beispiel lernen, die Mikrophone besser vor Vögeln zu schützen, die sich am Sensor zu schaffen machten.  Abgesehen vom Schaden in der Hardware nahm die Software die Geräusche der pickenden Schnäbel auf, was natürlich zu unbrauchbaren Messreihen führte. Auch Jalousien, die am Testgebäude runter gelassen wurden, lösten Impulse aus, mit denen wir nicht vorher nicht rechnen konnten.

Einmal schlug ein Blitz in das Versicherungsgebäude ein, auf dem HaSe testweise stand. Der Rechner für das Gebäudemanagement fiel zunächst aus und fuhr nicht selbstständig wieder hoch. Unsere Software wäre allerdings in der Lage gewesen, automatisch neu zu starten. Wir mussten also sicherstellen, dass die Hardware des Kunden nach einer Unterbrechung automatisch wieder startet. All diese Fülle von Einflüssen ergibt sich erst im Feld.

Nun kommt erschwerend hinzu, dass jede kleine Veränderung des Sensors zu einer Neukonfiguration führt. Denn neue Materialien hinterlassen neue Eindrücke, neue Signale. Also hieß es häufig: erstmal wieder zurück ins Labor und neue Testreihen erstellen. Das ist eine aufwändige und langwierige Arbeit, die sich nicht verkürzen lässt.

Wie stellen Sie die Zusammenarbeit mit den Schweizer Kollegen über die Distanz sicher?

Martin Löffler-Mang: Pro Jahr haben wir mindestens 2 Termine in der Schweiz und 2 Termine in Saarbrücken. Dazu kommen häufig Skype-Konferenzen und natürlich Email- und Telefonverkehr. Der Austausch ist sehr wichtig und entsprechend intensiv. Das klappt ganz hervorragend.

Was zeichnet Ihre Kooperation aus?

Martin Löffler-Mang: Absolutes Vertrauen, das ist sehr wichtig. Und hundert Prozent Verlässlichkeit auf beiden Seiten. Ohne das geht es nicht. Für mich spielt außerdem eine große Rolle, dass ich in die Kooperation weitere Ideen einbringen kann, ohne dass ich mich a priori an inhaltliche Schwerpunkte halten muss und damit den Umfang meiner Forschung irgendwie begrenzen muss. Wir machen dann aber nur die Dinge, die beide Seiten weiterbringt. Darauf haben wir gemeinsam ein Augenmerk.

Im Artikel wurden schon eine Reihe weiterer Projekte genannt, die eventuell noch folgen. Hört das jemals auf? Wo nehmen Sie die Ideen her?

Martin Löffler-Mang: Also, so wie ich das sehe, reichen die vorhandenen Ideen auf jeden Fall, um die nächsten 10 bis 15 Jahre meiner Tätigkeit als Wissenschaftler zu füllen. Was dann kommt, wird man sehen. Aber ich glaube, es gibt noch eine Menge, was wir tun können. Die Ideen kommen mir nicht am Schreibtisch. Ich streife am liebsten durch die Natur. Da kommen die Ideen von ganz alleine.

Weitere Informationen und Bildmaterial zum Nebelsensor „NebioSens“ und Hagelsensor „HaSe“ finden Sie in der sichtbar 02/2016 ab Seite 13