Wissenschaftliche Weiterbildung in der Luftfahrt: Aviation Business Piloting - Take off für Piloten

Wissenschaftliche Weiterbildung in der Luftfahrt: Aviation Business Piloting - Take off für Piloten

Denis Pfeiffer im Cockpit einer Embraer 190

 

Denis Pfeiffer hat ihn wahr gemacht – den Traum vom Fliegen. Der gebürtige Brandenburger ist Erster Offizier bei der Lufthansa CityLine. Für Klischees lässt der Job im Cockpit nur wenig Raum: 3-5 Flüge im Kurz- und Mittelstreckenbetrieb pro Tag, ca. 35 Minuten Zeit für die Vor-und Nachbereitung der Flüge inklusive Briefing mit der neuen Crew. Was motivierte den heute 37jährigen, sich zu Hause oder nach Feierabend im Hotel in den virtuellen Hörsaal zu setzen? sichtbar sprach mit dem Alumnus des Studiengangs Aviation Business Piloting and Airline Management über Kindheitsträume, das zweite Standbein und Karrierewege dies- und jenseits der Wolken.

„Always stay ahead of the aircraft“ besagt ein Leitsatz der Fliegerei, was so viel bedeutet wie „Sei immer einen Schritt voraus“. Für Denis Pfeiffer gilt dieser Grundsatz nicht nur auf seinen Flügen quer durch Europa, sondern auch für die eigene Aus- und Weiterbildung. „Es war mir wichtig, mich breit aufzustellen.“ erklärt der Verkehrsflugzeugführer. „Ich wollte direkte, berufsfachliche Kompetenzen mit Fächern kombinieren, die sich mit dem sicheren und wirtschaftlichen Betrieb von Verkehrsmaschinen befassen.“ „Auch wenn ich mich die technischen Fächer wie Zell-, Antriebs- und Werkstofftechnik besonders interessierten, gehören Betriebswirtschaftslehre, Logistik und Personalmanagement dazu, um mich für künftige Aufgaben außerhalb des Cockpits im aviatischen Bereich zu qualifizieren.“

Beruf oder Berufung?

Auf die Frage, ob Denis Pfeiffer schon in frühen Kindertagen den Entschluss fasste, Pilot zu werden, schüttelt er lachend den Kopf: „Nein, ich kann mich nicht daran erinnern, meine Eltern schon als kleiner Junge damit konfrontiert zu haben.“ Vielleicht lag es auch daran, dass die Fliegerei selbstverständlich war, ein Teil der Familie. Pfeiffers Vater ist Segelfluglehrer im heimischen Eisenhüttenstadt.  Da war der Schritt zum Piloten nicht weit. Mit 17 Jahren begann Denis Pfeiffer motorlos durch die Lüfte zu gleiten, erwarb später die Lizenz für einmotorige Maschinen mit Kolbenmotoren, um Vereinskameraden mit Segelflugzeugen in die Luft schleppen zu können und nicht länger auf Thermik angewiesen zu sein. Der Wunsch auch beruflich zu fliegen, war damit geweckt.

Nach seiner Ausbildung zum Verfahrensmechaniker und der Bundeswehr arbeitete Pfeiffer zunächst 5 Jahre als Fluglotse am Flughafen Niederrhein, bevor er die Ausbildung zum Piloten antrat. „Ich kenne die Fliegerei aus den wesentlichen Perspektiven, die für  einen sicheren Flugverlauf wichtig sind“ meint Pfeiffer nachdenklich. „Das hilft mir noch heute.“

Die hohe Verantwortung für Mensch und Maschine, regelmäßige Trainings und Tests, ein jährlicher medizinischer Check und ein persönliches Investment von ca. 100.000 Euro Ausbildungskosten – hat sich das alles gelohnt, unterm Strich?

„Ein volles Ja“ entgegnet Pfeiffer ruhig „Ich habe richtig entschieden. Kein Flug gleicht dem anderen, jeder Start und jede Landung ist anders. Die Freude zu fliegen, Menschen von A nach B zu bringen, das Zusammenspiel von Technik, Mensch und Natur  – diese Faszination ist ungebrochen.“

Loss of License

Warum dann studieren? Warum noch mehr Prüfungen ablegen und wertvolle Zeit investieren? „Das muss jeder für sich rausfinden. Mir war es zunächst einmal wichtig, einen umfassenderen Einblick in die Abläufe und Entscheidungen zu bekommen, die in meinem Unternehmen, der Konzernmutter, aber auch allgemein in der Luftfahrtbranche getroffen werden. Da ist viel in Bewegung.“  „Letztendlich ist auch nicht verkehrt, sich auf diese Weise gegen den Lizenzverlust abzusichern. Ein Pilot ohne gültige Lizenz, hat nur begrenzt berufliche Alternativen.“ Tatsächlich sind die Gefahren eines Lizenzverlustes bei Piloten um ein vielfaches höher als die Berufsunfähigkeit in anderen Berufen. Schon ein geplatztes Trommelfell, Asthma, Allergien, Rückenschmerzen oder ein hoher Blutdruck können das Aus bedeuten. Die meisten Piloten schließen darum eine Art Berufsunfähigkeitsversicherung ab. „Das Studium ist meine Art, mich zusätzlich abzusichern. Ich will auch dann in der Branche bleiben, wenn mich bestimmte Umstände zwingen, das Fliegen aufzugeben. Auch hier einen Schritt voraus zu sein, das ist wichtig.“  

Fernstudiengang Aviation Business Piloting and Airline Management 

Drei bis fünf Tage ist Pfeiffer als Erster Offizier im Cockpit eines Bombardier CRJ900 im Einsatz, danach hat er zwei oder mehrere Tage frei. „Dank meiner Teilzeitstelle konnte ich Familie und Weiterbildung gut unter einen Hut bringen“ erklärt der zweifache Vater. „Das war mir ganz wichtig.“

Das Studium Aviation Business Piloting and Airline Management  an der htw saar dauert in der Regel acht Semester. Es ist so konzipiert, dass neben Präsenzzeiten vor allem virtuelle Klassenräume, Videolehrmaterial, E-Books und Studienbriefe sicherstellen, dass das Lehrmaterial erarbeitet werden kann. Studierende, die wie Denis Pfeiffer bereits über die ATPL-Lizenz verfügen, überspringen die ersten beiden Semester der fliegerischen Ausbildung und starten gleich im dritten Semester. Über das Lerntempo und die Lernpläne entscheidet der oder die Studierende selbst. Klausuren gehören selbstverständlich auch dazu, sie werden nach Absprache in der Nähe des Einsatz- oder Wohnortes des Studierenden abgelegt.

Der Sonne entgegen…

Drei Jahre brauchte Pfeiffer, um sein Bachelorstudium Anfang 2016 erfolgreich zu beenden. Und wie geht es weiter? „Zu den nächsten Zielen zählt sicherlich von der rechten auf die linke Seite im Cockpit zu wechseln – sprich Kapitän zu werden.“ „Langfristig kann ich mir durchaus vorstellen, neben der Fliegerei weitere spannende Aufgaben zu übernehmen. Das  können technische, ausbildungsorientierte oder organisatorische Aufgaben in meinem Unternehmen oder der Lufthansagroup sein, im Bereich der Flugsicherheit, des Qualitätsmanagements oder des Flight Operation Supports. Das lasse ich auf mich zukommen.“ 

Mehr Informationen zum berufsbegleitenden Studiengang Aviation Business Piloting and Airline Management, zum Studienverlauf und -beginn, zu den Zulassungsvoraussetzungen und Kosten finden Sie hier