Ein erfülltes Lehr- und Forschungsleben für Informatik und grenzüberschreitende Kooperation

Nach 62 Semestern und rd. 250 betreuten Abschlussarbeiten, Lehre „mit Herzblut“ und hochkarätiger Forschung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) wurde Prof. Dr. rer. nat. Reiner Güttler am 28. Juli 2016 im Rahmen einer Abschiedsvorlesung in den Ruhestand verabschiedet.

Mit Reiner Güttler beendet ein hochgeschätzter Professor, Kollege und Freund den aktiven Dienst an der Hochschule. Güttler selbst betont, dass das Lehren und Forschen an der htw saar ihm immer Freude und Befriedigung bereitet habe. Er habe viele interessante Dinge erlebt und viele interessante Menschen kennengelernt. Im Rahmen seiner Abschiedsvorlesung zum Thema „Was hat der goldene Schnitt mit binären Suchbäumen zu tun?“ bedankte er sich bei Kollegen und Mitarbeitern für ihre uneingeschränkte Loyalität.

Güttler studierte Informatik und Mathematik, promovierte 1982 an der Universität des Saarlandes und gehört somit zur ersten Informatiker-Generation in Saarbrücken. Nach dreijähriger Berufstätigkeit in einem Pariser Unternehmen wurde er zum 1. Oktober 1985 an die htw saar (damals noch Fachhochschule des Saarlandes) berufen. Seine Lehrschwerpunkte waren Verteilte Systeme und Softwarearchitektur.

Nicht nur den Studienbereich Informatik und die Fakultät für Ingenieurwissenschaft prägte er maßgeblich, sondern auch die deutsch-französischen Hochschulbeziehungen. Von 1998 bis 2012 war Güttler Direktor des Deutsch-Französischen Hochschulinstituts (DFHI) der htw saar, das mit seinem Partnerinstitut ISFATES an der Université de Lorraine das über 35-jährige Modell eines voll integrierten deutsch-französischen Studiums trägt. Dieses Institut hat Güttler mit vielen innovativen Ideen entscheidend vorangebracht, so mit der Umstellung von Diplom und Maîtrise auf Bachelor und Master und der Schaffung von gemeinsamen Abschlussdiplomen durch Synchronisierung der Studienleistungen in beiden Ländern. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass das DFHI seine Vorreiterrolle gegenüber anderen deutsch-französischen Hochschulkooperationen weiter einnimmt.

Dass Güttler ein engagierter und leidenschaftlicher Wissenschaftler ist, zeigen die weiteren Aktivitäten während seiner Hochschullaufbahn. Von 1992 bis 2015 leitete er das Systemtechnik-Labor. 1988 gründete er gemeinsam mit dem vor- und nachmaligen HTW-Rektor Prof. Dr. Helmut Groh das Institut für Umweltinformatik (IUI). 1989 initiierten die beiden gemeinsam den Modellversuch "Stimulierung angewandter Forschung an Fachhochschulen (SAFF)" und sind damit die Väter der angewandten Forschung an Fachhochschulen in Deutschland. In der 1996 mit Prof. Dr. Ralf Denzer gegründeten Environmental Informatics Group (EIG) wurden zahlreiche EU-Projekte durchgeführt. Auch dank dieser Projekte war die htw saar im 6. Forschungsrahmenprogramm der EU die erfolgreichste deutsche Fachhochschule bei der Einwerbung von EU-Mitteln. Viele dieser Forschungs- und Transferprojekte waren so erfolgreich, dass daraus Unternehmensgründungen (z. B. Syborg Informationssysteme OHG, Gim Tec GmbH oder Cismet GmbH) folgten.

Freunde und Kollegen kennen den leidenschaftlichen Sportler und Musiker als Feinschmecker und Genießer. Mit der Informatiker-Band GIS++ und dem Akustikduo "acoustomatics" (mit Prof. Dr. Helmut Folz) gab es immer wieder begeisternde Auftritte bei Veranstaltungen der htw saar und weit darüber hinaus. Natürlich ließen es sich die acoustomatics nicht nehmen, zum Abschied ein kleines Konzert in einer erweiterten Besetzung mit Sascha Schlobinski (Absolvent der htw saar) und Prof. Steven Frysinger (htw saar-Gastprofessor von der James Madison University in Virginia, USA) zu geben.

   

 


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